Zum Warenkorb:

0 Artikel - 0,00 €
Sie haben keine Artikel in Ihrem Warenkorb.

0

"Hitler" – 2018 abgelehnt von der Wiener Kunstakademie

06.02.2018

 

Volker Elis Pilgrim stellt Hitler im sexualanalytischen Fokus jetzt im Café Prückel vor

Mit „Hitler 1 und Hitler 2“ hat der renommierte Männerforscher Volker Elis Pilgrim vergangenes Jahr ein sexualanalytisches Werk über die Persönlichkeitsstruktur von Adolf Hitler vorgelegt, das international ganz unterschiedlich aufgenommen wurde. In Deutschland berichteten Spiegel und die FAZ ausführlich über den ersten Band „Das sexuelle Niemandsland“, der aus langjährigen Forschungen resultiert und die Indizien dafür offenlegt, wonach Hitler ein genetisch veranlagter Serienkiller und Sexopath war. Englische Boulevard-Medien griffen die „neue irre Sex-Theorie zu Adolf Hitler“ begierig auf.

 

Für Irritation sorgte Pilgrim auch in Österreich. Hier war Anfang Februar in Wien eine Veranstaltung geplant mit dem Forscher, Schriftsteller und Provokateur Pilgrim, die zunächst in der Akademie der Bildenden Künste veranstaltet werden sollte. Der Abend mit dem Titel „Hitler Sex“, zu dem die Studentin der Austrian Studies Charlotte Krick eingeladen hatte, wurde seitens der Akademie kurzfristig abgesagt – und jetzt auf Freitag, 15. Februar, ins Café Prückel verlegt, wo auch Raum für die notwendige Diskussion sein wird. Einlass zu der Veranstaltung „Volker Elis Pilgrim – Hitler im sexualanalytischen Fokus“ ist um 19 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr.

Für die 28-jährige Charlotte Krick, die in Deutschland aufgewachsen ist und seit fast zehn Jahren in Wien lebt, ist dieses „Vorspiel“ der Pilgrim-Veranstaltung symptomatisch für die Widersprüchlichkeiten, die Österreich derzeit auf vielen Ebenen beschäftigen. Sie interessiert sich besonders für die Person Volker Elis Pilgrim, weil die Eigentümlichkeit seiner Fragen und Antworten weitere Fragen aufwerfen. Die Wissenschaftlerin erkennt in den avantgardistischen Ansätzen von Pilgrim und seiner klaren, differenzierten Benennung und eigenen Sprachkreationen auch eine Möglichkeit zur Entschlüsselung dessen, was nach wie vor so rätselhaft an Hitler geblieben ist.

Hierzu vier Fragen an Charlotte Krick zur Pilgrim-Veranstaltung „Hitler im sexualanalytischen Fokus“:

Warum ist eine Auseinandersetzung mit Volker Elis Pilgrim und seinen Entdeckungen zu Hitlers Sexualität für Sie als Historikerin spannend?

Charlotte Krick: Mich fasziniert in erster Linie, wie sich Pilgrim überhaupt dem Thema Sexualität nähert, in zweiter Linie wie sich Pilgrim Hitler nähert. Pilgrim bricht durch seine Sprache mit der gängigen Hitler-Forschung und stellt bisherige Erkenntnisse darüber in Frage.  Ich will von Pilgrim selbst berichten lassen, wie er forscht und denkt.

Was genau macht die Pilgrimsche Sicht aufschlussreich für Sie?

Charlotte Krick: Pilgrim sieht den Menschen Hitler, er bricht die Persönlichkeit herunter auf die Primitivität der Sexualität. Dafür findet er klare, treffende Worte. Er hat eine sehr präzise Sprache, die nicht immer appetitlich ist. Wenn er beispielsweise die Ehefrauen der Nazigrößen als „Endzeitbräute“ bezeichnet, weiß man sofort: Die wollten dabei sein, die fanden es ‚geil’, mit aufzusteigen in diesem System. So eine Wortwahl würde sonst keiner in Deutschland wagen. Diese Sprachkunst von Pilgrim ist mir als erstes aufgefallen. Darin spiegelt sich auch, wie Sexualität konnotiert wird. Sie ist zwar permanent präsent, wird aber doch auch ständig unterdrückt. Man redet viel über Sex, hat ihn aber nicht. Ähnlich verhält es sich mit Nationalsozialismus: Österreich rückt politisch nach rechts, aber Hitler bleibt ein Tabu. Pilgrim bringt beides zusammen: Hitler und Sex. Durch Pilgrim kann man Hitler auf eine Weise begreifen, die mit dem üblichen zeithistorisch-politologischen Vokabular nicht gelingen kann.  Das ist spannend und darüber müssen wir reden.

Die Veranstaltung, die jetzt von der Akademie abgelehnt wurde, wurde mit einem Flyer angekündigt, auf dem zu lesen war: „Der Führer war kein Ficker“, „Volker Elis Pilgrim führt ein in Eva Brauns allzeit leere Scheide“ und so weiter. Ist da die Irritation und Ablehnung nicht vorprogrammiert?

Charlotte Krick: (lacht). Das sind alles Zitate, die so im Buch stehen. Eine solche Ankündigung ist sicher im geschützten Raum einer Kunstakademie verständlich. Bei einer öffentlichen Veranstaltung wie jetzt auf der Theaterbühne im Café Prückel ist ein anderer Kontext gegeben und dem werden wir am 15. Februar auch angemessen entsprechen.

Und doch werden auch dort diese Wörter im Raum stehen.

Charlotte Krick: Vulgäre Wörter wie „Ficker“ bringen Jeden zum Lachen, das ist ein richtiger Eisbrecher. Ein Wort, dass durch die deutsche Übersetzung von Sade’s 120 Tage von Sodom bekannt wurde. Indem man Hitler abspricht, ein Ficker gewesen zu sein, spricht man ihm männliche Qualitäten ab und reduziert ihn auf seine Erbärmlichkeit. Pilgrim gelingt das allein durch seine Wortwahl. Und er verdeutlicht damit aber auch: Hitler war nicht allein. Ihm haben sehr viele geholfen und zwar die, die von ihm profitiert haben. Und diese Leute, die vom System Hitler profitieren, die gibt es immer noch. Hier sehe ich auch heute noch Parallelen, die mir überhaupt nicht gefallen. Und deshalb bin ich froh, dass uns Pilgrim hier echten Stoff zur Diskussion bietet.

Mehr Infos:

Volker Elis Pilgrim
, Jahrgang 1942, studierte Geschichts- und Rechtswissenschaften , Psychologie und Soziologie. Als Schriftsteller machte er sich mit sozio- und psychoanalytischen Sachbüchern wie Der Untergang des Mannes (1973), Muttersöhne (1986) und Vatersöhne (1993) einen Namen. Pilgrim lebt heute in Neuseeland und Deutschland.
Charlotte Krick, Jahrgang 1989 forscht über politische und literarische Figuren, im Kontext ihrer Arbeit und damit zusammenhängenden politischen Bedingungen. Wie Zensur, Sexualität. Sie studiert Austrian Studies und lebt in Wien.

 

Download attached document

« Zurück